Eine Absperrklappe oder ein Kugelhahn öffnet und schließt. Doch in vielen Prozessen reicht das nicht: Dampf, Heißwasser oder aggressive Medien müssen dosiert, geregelt und auf Sollwerte gefahren werden. Genau dafür sind Sitzventile die richtige Armaturenfamilie. Sie regeln Durchfluss, Druck und Temperatur präzise und schließen dabei zuverlässig dicht.
Als Handelspartner von Schubert & Salzer Control Systems führt die Armaturenfabrik Schrägsitz- und Geradsitzventile aus Edelstahl im Programm, beratend ausgewählt, auf Wunsch modifiziert und in unseren Anlagen eingebaut. Dieser Beitrag zeigt, worin sich beide Bauformen unterscheiden, welche Typen verfügbar sind und was beim Einbau in SKID- und Prozessanlagen zu beachten ist.
Schrägsitzventil:
hoher Durchfluss bei geringem Widerstand
Beim Schrägsitzventil ist der Ventilsitz schräg zur Strömungsrichtung angeordnet. Das Medium wird dadurch weniger stark umgelenkt, der Strömungswiderstand sinkt, und es ergeben sich hohe Kvs-Werte bei energieeffizienter Regelung. Schrägsitzventile gelten als bevorzugte Lösung für hohe Temperaturen und aggressive Medien.
Typische Eigenschaften:
- Hohe Kvs-Werte für optimale Durchflussleistung
- Kompakte Bauweise für platzsparende Installation
- Vibrationsunempfindlich und lageunabhängig einbaubar
- TA-Luft geprüft, Leckageklasse VI nach IEC 60534-4
Zwei Typen im Programm:
Geradsitzventil:
lineare Strömung, hohe Regelgenauigkeit
Das Geradsitzventil führt das Medium linear durch das Ventil. Es zeichnet sich durch hohe Regelgenauigkeit, kompakte Bauform und gute Isolierbarkeit aus und eignet sich für neutrale ebenso wie für aggressive Medien, auch bei hohen Temperaturen und Drücken.
Zwei Typen im Programm:
- Typ 7017, pneumatisch betätigt, mit hohen Kvs-Werten und kompakter Bauform
- Typ 7027 mit integriertem Stellungsregler, auch mit Ex-Option
Optional sind Handnotbetätigung und Sonderausführungen möglich.
Schrägsitz oder Geradsitz: der Vergleich
| Kriterium | Schrägsitzventil (7010 / 7020) | Geradsitzventil (7017 / 7027) |
| Nennweite | DN 8 – DN 80 | DN 15 – DN 50 |
| Druckstufe | PN 40 | PN 40 |
| Temperatur | -30 °C bis +220 °C | -30 °C bis +220 °C |
| Werkstoff | Edelstahl 1.4408 | Edelstahl 1.4408 |
| Dichtung | PTFE | PTFE, PEEK |
| Strömungsführung | Schräge Sitzanordnung, geringer Strömungswiderstand | Lineare Strömungsführung |
| Stärke | Hohe Kvs-Werte, hohe Temperaturen, aggressive Medien | Hohe Regelgenauigkeit, gute Isolierbarkeit |
| Mit Stellungsregler | Typ 7020 | Typ 7027 (Ex-Option) |
In der Praxis entscheidet die Aufgabe: Wo viel Durchfluss bei geringem Druckverlust gefragt ist, spricht vieles für das Schrägsitzventil. Wo die Regelgenauigkeit im Vordergrund steht oder das Ventil gut isoliert werden soll, ist das Geradsitzventil oft die bessere Wahl.
Stellungsregler und Automatisierung
Ein Sitzventil wird erst durch Antrieb und Stellungsregler zum Stellventil. Verfügbar sind der i/p-Stellungsregler Typ 8047 und der digitale Stellungsregler Typ 8049, für explosionsgefährdete Bereiche auch als elektropneumatischer Stellungsregler in Ex-Ausführung (ATEX, IECEx). Die Typen 7020 und 7027 bringen den Stellungsregler bereits integriert mit.
Wie Antriebe, Endschalter und Magnetventile zu einer geprüften Einheit werden, erklären wir im Beitrag Armaturenautomatisierung.
Anschlüsse und Normen
- Schweißenden nach ISO 1127
- NPT-Gewinde
- Sonderanschlüsse auf Anfrage
- Ausführung nach Druckgeräterichtlinie 2014/68/EU, TA-Luft geprüft, Leckageklasse VI nach IEC 60534-4
Vom Ventil zur Anlage: der Einbau in SKID- und Prozessmodule
Sitzventile sind Schlüsselkomponenten in modularen SKID-Anlagen, etwa in Dampfpaketen, Ventilständen und Dosierstrecken. Ihre kompakte Bauweise erlaubt die Integration in vorgefertigte Module, und sie lassen sich mit pneumatischen oder elektrischen Antrieben automatisieren.
Im Werk der Industriefabrik Schneider GmbH wird das Ventil dabei Teil eines Gesamtsystems:
- Einbau in die Rohrleitung: Ventile mit Schweißenden werden in die vorgefertigte Rohrleitung eingeschweißt, Gewindeausführungen eingeschraubt.
- Montage auf dem SKID-Rahmen mit Rohrführung und Halterungen.
- Pneumatik- und Steuerungsanschluss: Verschlauchung bzw. Verrohrung, Druckregler, Magnetventile.
- Isolierung mit dem hauseigenen System (IFS-PLAST25 / IFS-MW20) bei temperaturkritischen Medien.
- Funktionsprüfung vor der Auslieferung.
Dass die Ventile in der Anlage von Anfang an richtig ausgelegt sind, ist entscheidend: Ein fertig verrohrtes SKID lässt sich auf der Baustelle kaum noch korrigieren.
Typische Branchen
- Chemie und Petrochemie: Regelung aggressiver Medien, Säuren und Laugen
- Energie und Kraftwerke: Dampf-, Wasser- und Kühlkreisläufe unter hohem Druck und hoher Temperatur
- Lebensmittel und Getränke: hygienische Ausführungen für CIP/SIP-Prozesse
- Pharma und Biotechnologie: sterile, totraumfreie Regelungen
- Wasser und Abwasser: Aufbereitung, Entsalzung, Kühlwassersysteme
- Öl, Gas und Maschinenbau: SKID-Prozessmodule, Raffinerien, Offshore-Anwendungen
Fazit
Schrägsitz- und Geradsitzventile von Schubert & Salzer decken mit PN 40, Temperaturen von -30 °C bis +220 °C und Nennweiten von DN 8 bis DN 80 ein breites Feld der Prozessregelung ab. Die Armaturenfabrik berät bei der Auswahl, bindet Antrieb und Stellungsregler passend ein und baut die Ventile in Rohrleitungen und SKID-Module der Industriefabrik Schneider GmbH ein, geprüft und einbaufertig.
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